Was Sie über Arbeitsessen wissen sollten

Der Begriff Arbeitsessen wird häufig verwendet, wenn der Chef mit seinen Mitarbeitern zum Essen geht oder mehrere Mitarbeiter auf Firmenkosten miteinander zum Essen gehen. Genau definiert ist der Begriff freilich nirgends. Lediglich in R 19.5 Abs. 2 Satz 6 LStR wird ausgeführt, dass ein Arbeitsessen keine Betriebsveranstaltung ist. Damit fällt die Möglichkeit weg, die Lohnsteuer mit 25 Prozent zu pauschalieren. Im Folgenden ein paar wichtige Hinweise zum Thema Arbeitsessen.

Voller Betriebsausgabenabzug: Wenn Mitarbeiter bewirtet werden, ist das stets in voller Höhe (nicht nur zu 70 Prozent) abzugsfähig. Falls Sie eine
korrekte Rechnung mit Mehrwertsteuerausweis haben, ist auch die Vor­­­steuer abziehbar.

Belohnungsessen sind steuerpflichtig: Werden fleißige Mitarbeiter zur Belohnung zum Essen eingeladen, ist das generell lohnsteuerpflichtig. Eine Pauschalierungsmöglichkeit gibt es nicht.

Essen während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes: Falls eine lang andauernde Besprechung oder ein unerwartet aufgetretener Arbeits­einsatz lediglich zum Essen unterbrochen wird, ist das Essen nicht steuerpflichtig, sofern es nicht aufwändig ist (Pro-Kopf-Grenze 40 Euro brutto).

Wann ist es nun steuerpflichtig und wann steuerfrei? Die Grenzen zwischen einem Belohnungsessen (steuerpflichtig) und einem betrieblich veranlassten „Essen während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes“ (steuer­frei) sind fließend. Als Faustregel kann man sagen, dass Restaurantbesuche, die mit gewisser Regelmäßigkeit stattfinden, steuerpflichtig sind, ebenso, wenn die Bewirtung des Arbeitnehmers im Vordergrund steht. Das gilt auch dann, wenn während des Essens betriebliche Angelegenheiten besprochen werden. Steuerfrei ist das Essen hingegen, wenn eine außergewöhnliche betriebliche Besprechung lediglich zur Einnahme der Mahlzeit unterbrochen wird.

Teilnahme des Mitarbeiters an geschäftlicher Bewirtung: Lädt der Mitarbeiter selbst Kunden bzw. Lieferanten ein oder kommt der Mitarbeiter zum Essen mit, wenn der Chef Geschäftspartner einlädt, so liegt niemals Lohnsteuerpflicht vor. Allerdings gibt es dann nur 70 Prozent statt 100 Prozent Betriebsausgabenabzug.

 

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Krailling

Wenn Sie den Ehepartner auf Geschäftsreise mitnehmen

Immer wieder versuchen Finanzbeamte, den Betriebsausgabenabzug für Geschäftsreisen zu streichen, weil die Mitnahme des Ehepartners oder Lebens­gefährten darauf hindeute, dass die Reise doch eher eine private Urlaubs­reise gewesen sei. Nun hat erstmals das oberste Steuergericht entschieden, dass dem nicht so ist.

Wörtlich: „Stehen die objektiv trennbaren beruflich und privat veranlassten Reiseteile fest, führt die Teilnahme des Ehepartners nicht zu einem Abzugsverbot bzw. zu einer geringeren steuerlichen Berücksichtigung.“.

Ebenfalls interessant an dem Urteil:
Eine Sozialpädagogin schrieb in ihrer Freizeit (seit zehn Jahren, bis zum Urteilsdatum ohne greifbares Ergebnis) an einem Roman, der in Neuseeland und Australien spielt. Ihre Reisen nach Australien und Neuseeland gemeinsam mit Lebensgefährten deklarierte sie als „romanbedingte Betriebsausgabe“ und der Bundesfinanzhof gab ihr zum Teil Recht. Nämlich, soweit die Reise beruflich veranlasst war, im Streitfall zu einem Drittel. (BFH, 24.08.12, III B 21/12, juris)

 

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Krailling